Kategorien
Allgemein

„Das Klatschen auf die Straße tragen!“ Demonstration am 5.9.2020

Das Klatschen auf die Straße tragen!
Pflege-Aufstand jetzt!
Das Coronavirus hat die Welt und unseren Alltag weiter fest im Griff. Diese Gefährdung von Leben hat System! In Altenheimen (wie zuletzt bei einem privaten Träger in Köln-Rodenkirchen), in Flüchtlingsunterkünften (wie im Juli in einer Sammelunterkunft in Köln-Porz), in Fabriken (wie in den Schlachtbetrieben von Tönnies) oder in engen Wohnkomplexen bricht der Virus regelmäßig aus und Menschen erkranken – weil sie unter gefährlichen Bedingungen arbeiten, produzieren, wohnen und leben müssen.


Der Alltag ist das Problem!
Covid-19 ist ein Verstärker…

Seit dem weltweiten Ausbruch des Coronavirus wurde viel geredet:Über das Gesundheitswesen und wie wichtig neben dem ärztlichen Personal auch die Pflegekräfte seien. Es wurde geklatscht und Politiker*innen aller Parteien sangen Lobeshymnen in den Talkshows. Von netten Worten allein ist aber nichts getan gegen den eklatanten Personalmangel, gegen fehlendes Schutzmaterial, gegen die Privatisierung von Kranken- und Altenpflege und gegen schlechte Bezahlung.
Vom Klatschen hat keine Pflegehelferin in der stationären Altenhilfe, keine Altenpflegerin in der ambulanten Betreuung, keine Reinigungskraft im Krankenhaus und kein Krankenpflegerin im Schichtdienst auch nur einen Cent mehr in der Tasche – geschweige denn werden die Kolleg*innen von den Überstunden, dem ständigen Einspringen und dem Druck durch die Pflegedienstleitung und die Unternehmenschefs entlastet.

Ökonomisierung des Gesundheitswesens –
Aktionärsgewinne durch Krankenhäuser?

Denn Profitmaschinen sind viele Gesundheitseinrichtungen geworden: Gewinnorientierte Unternehmen in denen Sorgearbeit am Fließband erledigt werden muss. Die Coronakrise verdeutlicht einmal mehr, dass das Gesundheitssystem in den letzten Jahrzehnten kaputt gewirtschaftet wurde. Die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen kooperieren nicht miteinander, sondern sie konkurrieren. Natürlich ist ein solches System nicht ausreichend auf einen Not- oder Katastrophenfall vorbereitet. Natürlich werden dann Patient*innen und Beschäftigte, z.B. durch fehlendes Schutzmaterial und durch Überarbeitung der Pfleger*innen, systematisch gefährdet. Schon vor der Coronakrise kündigten Krankenpfleger*innen „Hygiene-Streiks“ an, um deutlich zu machen: Halten wir uns, bei so wenig Personal und so viel Zeitdruck, auch nur einen Tag konsequent an die Hygienevorschriften, dann bricht der Laden zusammen!

Pflege und Sorge!

Corona verdeutlicht: Ohne pflegende, sorgende, hegende Tätigkeiten kann keine Gesellschaft funktionieren. Wir Pfleger*innen und Beschäftigten im Gesundheitswesen sind relevant, aber das leider im falschen System!

Im Gesundheitswesen herrschen Kostendruck, Investitions- und Sanierungsstau, mangelhafte Ausstattung, horrender Personalmangel, schlechte Bezahlung, unglaublicher Stress und Zeitdruck für die Pfleger*innen und dadurch ethisch grenzwertiger Umgang mit Patient*innen!

Das wollen und müssen wir ändern!

Alle reden von der Rückkehr zur Normalität, doch wir können nicht einfach zurück zum bestehenden Schlechten. Wir müssen was verändern!

Das Gesundheitswesen muss jetzt sofort vernünftig und sinnvoll geplant sein – und darf sich nicht an der bloßen betriebswirtschaftlichen Rentabilität orientieren. Es braucht wohnortnahe, bedarfs- und bedürfnisgerechte Versorgungseinrichtungen, mit ausreichender personeller Ausstattung und guten Arbeitsbedingungen, Zeit für Patient*innen und Erholung. Diese Aufgaben gehören in die öffentliche Hand und perspektivisch vergesellschaftet!


*******************************************
Selbstverständlich bitten wir alle Teilnehmer*innen den Infektionsschutz einzuhalten. Dies umfasst das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung und 1,5 Meter Abstand. Auf der Veranstaltung werden euch Ordner*innen über das Hygienekonzept informieren und ggf. ansprechen.
*******************************************

Kategorien
Allgemein

SoliMed unterstützt die Volksinitiative: „Für gesunde Krankenhäuser in NRW – für ALLE!“

Wie unser Name schon sagt, fordern wir gesunde Krankenhäuser in NRW – für ALLE!

  • patientenorientiert, barrierefrei und selbsthilfefreundlich

Wir fordern, dass die Gesundheitsversorgung an den Bedarfen der Patient*innen und an guter Qualität orientiert werden muss. Gesundheitsversorgung ist eine Aufgabe der Daseinsvorsorge!

  • wohnortnah und bedarfsorientiert geplant für alle in NRW

Wir fordern eine intensive Analyse und ausreichend Zeit, um den neuen Krankenhausplan NRW zu erstellen – unter breiter Beteiligung aller Betroffenen bis 2021. Vorher darf es keine Umsetzungsschritte oder Vorfestlegungen geben, wie sie z.B. “Gutachten zur Krankenhauslandschaft NRW” aus dem Hause Laumann nahelegt.  Wir fordern den Erhalt aller Kliniken, solange eine solche Analyse nicht vorliegt.

  • vollfinanziert durch das Land NRW

Wir fordern ab sofort die vollständige Refinanzierung der Investitionskosten durch das Land NRW und ein Sonderprogramm zur Behebung des Investitionsstaus von aktuell über 12,5 Mrd. € bis 2024. Krankenhausgebäude und deren Ausstattung zu erhalten und zu modernisieren, ist gesetzlich geregelte Aufgabe des Landes NRW!

  • mit guten Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten

Wir fordern mehr Personal in den Krankenhäusern und eine gesetzliche Personalbemessung, die eine gute Versorgung für alle sicherstellt! Ausdrücklich beziehen wir uns dabei auf alle Berufsgruppen, auch über die Pflege hinaus.

  • ein gemeinwohlorientiertes Gesundheitswesen – ohne Profite!

Wir fordern die Landesregierung als ersten Schritt dazu auf, sich über eine Bundesratsinitiative dafür einzusetzen, die Fallpauschalen (DRG) abzuschaffen und Profite wieder zu verbieten.

Wer hat die Volksinitiative initiiert?

Initiiert wurde die Volksinitiative von verschiedenen Bündnissen für mehr Personal im Krankenhaus und Gesundheitswesen allgemein, für den Erhalt von Krankenhäusern und für eine menschenwürdige Gesundheitsversorgung, die in diversen Städten und Regionen in NRW aktiv sind, in Kooperation mit der Gewerkschaft ver.di. Die Bündnisse bestehen aus Beschäftigten im Gesundheitswesen, Patient*innen und Aktivist*innen, die seit einigen Jahren die Arbeitskämpfe der Kolleg*innen im Krankenhaus solidarisch unterstützen und daran arbeiten, das Thema dorthin zu tragen, wo es hingehört: in die Mitte der Gesellschaft!

Der Trägerkreis – das Bündnis für ein gemeinwohlorientiertes Gesundheitswesen in NRW – setzt sich derzeit außerdem zusammen aus: Attac NRW, DIDF NRW e.V. (Föderation demokratischer Arbeitervereine), Krankenhaus statt Fabrik, Pflege am Boden NRW, SBHC – Selbsthilfegemeinschaft Spina Bifida und Hydrocephalus NRW e.V., Gesundheitsladen Köln e.V., SoVD Sozialverband Deutschland Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V., Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte, Verein zur Förderung eines solidarischen und öffentlichen Gesundheitswesens NRW e.V.

Vertrauenspersonen der Volksinitiative sind Susanne Quast, Anästhesistin und Betriebsratsvorsitzende der Sana-Kliniken Düsseldorf, und Claudia Lenden, Gesundheits- und Krankenpflegerin und aktiv bei Pflege am Boden Köln.

Mehr Infos unter: https://gesunde-krankenhaeuser-nrw.de/

Kategorien
Allgemein

#UnteilbarSolidarisch – Heraus zum 1. Mai!

Die Corona-Krise verändert gerade auf vielfältige Weise unser aller Leben. Trotzdem sind die Auswirkungen nicht für alle gleich: Viele verlieren ihre Jobs und müssen trotzdem weiter ihre Miete zahlen – Menschen im Niedriglohnsektor oder mit unsicheren Jobs trifft das besonders hart; es wird „social distancing“ gepredigt – für Geflüchtete in Massenunterkünften, für obdachlose Menschen und für Gefängnisinsass*innen ist das schlicht nicht möglich und für Menschen, die zu Hause Opfer häuslicher Gewalt werden, vor allem FLINT*-Personen (Frauen*, Lesben, inter, non-binary und trans*-Personen) und Kinder, unzumutbar. Nicht zu vergessen die zahlreichen isolierten älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen, deren Kontakt zur Außenwelt vollständig einbricht.
Gleichzeitig bekommen Großkonzerne horrende Summen ausgezahlt und wie in jeder Krise gibt es natürlich auch Krisengewinner. Amazon beispielsweise hat seinen weltweiten Gewinn in 7 Tagen um 10 Milliarden gesteigert.
Die Krankheit und die Maßnahmen der Bundesregierung treffen eben nicht alle gleich, sondern vertiefen im Gegenteil Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten, die auch vorher schon zum kapitalistischen Normalzustand gehörten. Dies wird besonders deutlich im Gesundheits- und Pflegebereich, wo der Virus auf eine durch neoliberale Politik fast komplett zerstörte Infrastruktur traf. Die Krise führt deutlich vor Augen, dass der Markt kein geeignetes Instrument ist, um die grundlegenden Bedürfnisse der Menschen zu regeln.

Deshalb müssen wir jetzt selber aktiv werden: Da Krisenmaßnahmen gerade im Eiltempo beschlossen werden müssen wir jetzt unsere Forderungen in die Öffentlichkeit tragen.
Beteiligt euch deshalb mit kreativen, vielfältigen Aktionen am 01. Mai am Aktionstag #UnteilbarSolidarisch. Wenn wir uns mit Sicherheitsabstand an der Supermarktkasse anstellen können, dann können wir das auch für unteilbare Solidarität! Ob durch Plakate an öffentlichen Orten, Kundgebungen mit dem notwendigen Abstand, Mal-Aktionen oder Online-Demos. Wir werden uns auch in Zeiten von Corona nicht davon abhalten lassen, unsere Positionen in die Öffentlichkeit zu tragen!

Unsere Kernforderungen lauten:…
– Finanzielle Absicherung für alle: Rücknahme der Arbeitszeitverordnung, die nun wieder die 60 Stunden Woche ermöglicht; Erweiterter Kündigungsschutz; Ein bedingungsloses Quarantänegrundeinkommen; Finanzierung durch Enteignung der Krisengewinner und Einführung einer Reichensteuer;
– Sicherer Wohnraum für alle: Mieterlass für Menschen in finanzieller Not; keine Zwangsräumungen; Schaffung von Wohnraum durch Öffnung und Enteignung von Leerstand; Ausbau der sozialen Infrastruktur für besonders betroffene Menschen (Geflüchtete, Wohnungslose und Betroffene häuslicher Gewalt)
– Sofortige Evakuierung der griechischen Lager; Aufnahme der Geflüchteten an den Grenzen statt nationaler Abschottung; Auflösung aller Sammelunterkünfte und dezentrale Unterbringung für alle Geflüchteten in Deutschland
– Umbau des Gesundheitssystems zur Bedarfsorientierung: Rekommunalisierung der Krankenhäuser; Sofortige Abschaffung der Fallpauschalen; Vergesellschaftung von Pharmaunternehmen; kostenlose Versorgung für alle sowie eine deutliche Verbesserung der Arbeits- und Lohnverhältnisse im Pflegebereich
– Klima vor Profite: Keine Rettungspakete für Großkonzerne und klima- und umweltschädliche Sektoren; Hilfen für Beschäftigte statt für Manager*innen und Aktionär*innen
– keine Aufweichung der Grundrechte: Wahrung von Persönlichkeitsrechten und Datenschutz, Wahrung der Versammlungs- und Meinungsfreiheit
– Gesundheit an erster Stelle: Kein verfrühter Unterrichtsbeginn für niemanden; keine verpflichtenden Prüfungen; Wiedereröffnung der Schulen erst nach Gewährleistung des Infektionsschutzes und nach Ende des Kontaktverbotes.

**********

Kategorien
Allgemein

Debattenbeitrag zur Corona Krise (dt., engl. und ara.)

English version below – للترجمة العربية انظر إلى الاسفل

Wir möchten uns als Gruppe „SoliMed Köln“ zu der aktuellen Corona-Situation äußern. Wir sind Menschen, die das Thema Gesundheit seit vielen Jahren beschäftigt. Zusammen setzen wir uns damit auseinander, wie Gesundheit und Krankheit von den (kapitalistischen) Verhältnissen, in denen wir leben, beeinflusst werden (1). Unser Ziel ist es, ein Stadtteilgesundheitszentrum aufzubauen, das sogenannte soziale Determinanten, also z.B. Einkommensunterschiede, Lebens- und Arbeitsbedingungen und Diskriminierungserfahrung, als wesentliche Einflussfaktoren für die Entstehung von Gesundheit und Krankheit begreift und Verhältnisse konkret verändern will (2). Zurzeit bieten wir noch keine medizinische Versorgung an. Auch wir haben keinen Masterplan für die jetzige Situation und unsere Überlegungen haben keinen Anspruch darauf, die Situation allumfassend zu analysieren. Genau wie für alle anderen Menschen ist diese Situation für uns neu. Gerade deswegen finden wir eine Reflexion der Geschehnisse und einen Austausch aus herrschaftskritischer Perspektive wichtig.

Corona trifft nicht alle Menschen gleich

Menschen mit Vorerkrankungen sind stärker durch eine Coronavirus- Infektion bedroht. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Erkrankung bei ihnen einen schweren Verlauf nimmt, ist – nach jetzigen Zahlen – deutlich größer. Vorerkrankungen sind in der Gesellschaft aber nicht gleich verteilt. Arme Menschen sind im Durchschnitt kränker als reiche Menschen. Die Verhältnisse, in denen Menschen leben, haben einen großen Einfluss auf ihren Gesundheitszustand. Ärmere Menschen sind damit von den gesundheitlichen Folgen des Virus mehr betroffenen als Reiche. Die Unterschiede im Zugang zu medizinischer Versorgung kommen hier noch dazu.

Neben den gesundheitlichen Folgen treffen auch die Arbeits- und Alltagseinschränkungen die Vulnerablen der Gesellschaft stärker: Menschen aus prekären Arbeitsverhältnissen, die im Krankheitsfall oder bei einem Lock Down keine Lohnfortzahlung bekommen, sind in vielen Fällen sehr schnell in finanziell existentiell bedrohlichen Situationen. Dies betrifft u.a. Künstler_innen, Minijobber_innen, Sexarbeiter_innen, Arbeitsmigrant_innen und Freiberufler_innen. Viele Tafeln schließen ihre Türen, wodurch eine Lebensmittelversorgung von Menschen, die darauf angewiesen sind, plötzlich fehlt. Beratungsstellen schließen und wohnungslose Menschen haben weder Zugang zu sicheren Räumen noch zu Geld. In China und Italien zeigt sich bereits, dass im Ausnahmezustand häusliche und sexualisierte Gewalt (v.a. gegen Frauen und Kinder) deutlich zunimmt.(3) Während Gemeinschaftseinrichtungen geschlossen und größere Menschenansammlungen verhindert werden, leben Geflüchtete in zunehmend überfüllten Massenunterkünften, in denen ihnen trotz geschlossener Beratungsstellen und nicht verfügbarer Anwält_innen weiterhin abgelehnte Asylbescheide drohen. (4)
In Deutschland wie auch weltweit trifft der Virus somit sowohl in seinen gesundheitlichen als auch in seinen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen die ärmeren und vulnerablen Menschen in unserer Bevölkerung deutlich härter als die Wohlhabenden (5)

Die Krise fällt nicht vom Himmel

Seit den 1980ern wird das Gesundheitswesen in Deutschland zunehmend ökonomisiert und privatisiert. (6) Die Milliarden aus den Beiträgen der lohnabhängig Arbeitenden dienen zu erheblichen Anteilen den Profiten der Pharma- und privaten Klinikkonzerne. Die dabei erreichte Qualität der medizinischen Angebote ist trotz vergleichsweise hohen Beträgen von ca. 1 Mrd. € pro Tag (7) nicht besser als in Systemen in Ländern mit geringeren Gesundheitsausgaben. Bereits vor der Corona-Pandemie befand sich das Gesundheitssystem in einem Krisenzustand.
Wirtschaftliche Überlegungen bestimmen statt medizinischer Notwendigkeiten über Behandlungen und Arbeitsbedingungen: Jährlich sterben 10.000-20.000 Menschen an vermeidbaren Krankenhausinfektionen (8), eine schwer zu beziffernde Zahl an Rücken-, Knie- und Hüftoperationen werden nicht zuletzt aus Profitgründen durchgeführt, Pflegekräfte werden weder anständig bezahlt noch in ihrer Arbeit gewürdigt und im ambulanten Bereich blüht zunehmend eine Kultur der privaten Nebeneinnahmen bei ebenfalls nur mäßiger Qualität und Menschlichkeit.

Bereits 2012 hat die Bundesregierung eine Risikoanalyse in Auftrag gegeben, die den Ausbruch eines „SARS“-Erregers im Rahmen einer Pandemie hier in Deutschland durchspielt.(9) Beinahe hellseherisch sind die Ähnlichkeiten zur aktuellen Situation. Die eindeutige Prognose der Risikoanalyse war, dass das Gesundheitssystem unter den Anforderungen zusammenbrechen würde. Doch anstatt eine Gesundheitsversorgung zu schaffen, die bestmöglich auf eine Pandemie vorbereitet ist, wurde das Gesundheitswesen immer weiter nach betriebswirtschaftlichen Kriterien und reiner ökonomischer Effizienz ausgerichtet. Das bekommen wir jetzt mehr denn je zu spüren. Maßnahmen wie Ausgangssperren, Betriebsschließungen, Kita- und Schulschließungen werden erst dadurch nötig, dass es die berechtige Sorge vor einem Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung gibt.

Umgang mit der Ausnahmesituation

Es gibt konkrete Dinge, die wir als Individuen tun und beachten können.
Es fängt beim richtigen Händewaschen an. Es klingt banal und steht überall, doch ist es eine einfache und effektive Maßnahme.(10) Wir brauchen saubere Hände und es ist hilfreich, wenn wir wissen wie wir sie richtig waschen. Gleichzeitig geht in der ganzen „Händewaschen und Desinfizieren“- Predigt oft unter, dass sauber nicht gleich steril ist. Wir brauchen saubere Hände, keine sterilen. Das Außen ist nicht unser Feind: weder die Menschen im Nachbarhaus, noch auf der anderen Seite einer Grenze, noch die meisten der Mikroorganismen um uns herum. Die Vorstellung, dass wir alles säubern müssen und uns isolieren um uns zu schützen (egal ob vor Menschen oder Mikroorganismen) verursacht bei vielen Menschen Angst. Angst wiederum setzt in unserem Nervensystem Stresskaskaden in Gang, die unsere Kooperationsfähigkeit herabsetzen, eine innere Anspannung verursachen und unser Immunsystem schwächen.

Trefft überlegte Entscheidungen, wen ihr trefft und wen nicht. Nur weil diese Forderung gerade auch von staatlicher Seite kommt, wird sie damit nicht falsch. Das Schützen von Risikogruppen ist wichtig. Gleichzeitig sind aber auch die Auswirkungen von Einsamkeit und Isolation nicht zu unterschätzen. Erste Untersuchungen in China zeigen, wie dramatisch die psychosozialen Folgen einer massenhaften Quaratäne sind.(11) Menschen entwickeln Angstzustände, Depressionen, Suizidgedanken und Posttraumatische Belastungsstörungen. In jeder Situation müssen wir jetzt neu beurteilen, welches Verhalten wir für richtig halten und gleichzeitig aushalten, wenn wir nicht alle zu denselben Entscheidungen kommen. Machtstrukturen müssen besprechbar und kritisierbar bleiben ohne den moralischen Vorwurf, Risikogruppen nicht schützen zu wollen. Die jetzige Ausnahmesituation ist genauso vielschichtig wie das Leben immer ist und es lohnt sich zu versuchen, die verschiedenen Aspekte und Widersprüche zumindest anzuerkennen und möglichst diskutierbar zu machen.

Informationen darüber wie das Virus sich ausbreitet, welche politischen Maßnahmen ergriffen werden, wie Freund_innen und Verbündete mit der Situation umgehen, sind wichtig. Dabei gilt es aber zu beachten, woher die Informationen kommen und ob es hilfreich ist sie zu verbreiten.(12) Auch in linken Kreisen kursieren erstaunlich viele Falschmeldungen und Gerüchte, die teilweise ernsthafte Folgen für Menschen haben. Die ständige Informationsflut versetzt unser Gehirn in eine dauerhafte Alarmbereitschaft und belastet dadurch Psyche und Immunsystem. Immer wieder müssen wir uns die Frage stellen, welche und wie viel Information uns gerade wirklich gut tut; auch wenn das Gefühl von vermeintlicher Kontrolle durch Wissen einen großen Reiz hat.

Und das wars?

Individuelle Antworten und Verhaltensänderungen sind wichtig. Aber sie können und dürfen nicht die einzige Reaktion sein. Es ist wichtig im Blick zu behalten, dass es sich um keine persönliche und unpolitische Krise handelt. Es geht um gesellschaftliche und ökonomische Fragen und Auseinandersetzungen, die es schon vorher gab, die jetzt nur deutlicher hervortreten. Der Umgang mit diesen Themen muss politischer Natur sein und global gedacht werden:

Wie würde diese Krise gerade verlaufen, wenn es ein bedingungsloses Grundeinkommen gäbe? Was bedeutet es, wenn Grenzen geschlossen werden und nur Deutsche aus dem Ausland zurückgeflogen werden, während andere an den EU Außengrenzen getötet oder in Lager gesperrt werden? Wieso werden Menschen in Gefängnissen und Abschiebeknästen weiter isoliert statt evakuiert? Wie kann ein Gesundheitssystem aussehen, das sich am Gemeinwohl orientiert statt an wirtschaftlichem Profit? Sind es Fallpauschalen, die ein Krankenhaus zu einem guten Ort für Gesundheit machen oder doch eher eine gute Bezahlung, angemessene Arbeitszeiten und Wertschätzung der Beschäftigten? Welche Faktoren müssen mit einbezogen werden, wenn es uns wirklich um Gesundheit und nicht nur um Wiederherstellung für den Arbeitsmarkt geht?

Inwieweit es richtig ist, Freiheits- und Bewegungsrechte einzuschränken, wird sich letztlich erst im Nachhinein zeigen. Auch ob sie wieder in Gänze zurückgenommen werden oder in abgeschwächter Form dauerhaft von der Bevölkerung akzeptiert werden. Es bleibt gerade deshalb weiterhin wichtig, sehr genau hinzuschauen, welche politischen Entscheidungen getroffen werden. Wir müssen aufpassen, dass autoritäre Phantasien nicht ohne Protest durchgewunken werden. Wir müssen aufpassen, dass in einem plötzlichen Wir-Gefühl eine herrschaftskritische Perspektive und eine grenzübergreifende Solidarität nicht mit dem letzten Desinfektionsmittel abgetötet wird.

Es ist heute wichtiger denn je, Verantwortung zu übernehmen. Es reicht nicht, Zuhause zu bleiben und „social distancing“ zu praktizieren. Wir müssen uns organisieren, und das nicht nur in unseren Peergroups. Dabei gilt es rauszufinden, wie Organisation, soziale Proteste und Interventionen aussehen können, bei keinen oder begrenzten Möglichkeiten sich zu sehen. Die gravierenden gesellschaftlichen Missstände hören ja nicht plötzlich wegen Corona auf. Besprecht untereinander aber auch, was die Situation in Euch auslöst. Gebt der Angst, Sorge, Ohnmacht und Wut Raum und verdeckt sie nicht mit Aktionismus, Rückzug und Zynismus.

Das Gefühl von Solidarität wird nun an vielen Orten spürbar, jedoch müssen wir sehr gut aufpassen, dass wir alle Teil der entstehenden Gemeinschaften sind. Einzelne dürfen nicht aufgrund von einem anderen Pass, der fehlenden Mietzahlung oder Krankheit ausgeschlossen werden. Lasst uns fehlendes Geld, erlebte Ungerechtigkeit und all unsere Emotionen miteinander teilen. Erst dann kann hieraus etwas Neues entstehen.

Diese Ausnahmesituation schafft neben all ihrem Leid und ihrer Verunsicherung auch einen großen Raum für Veränderung, Selbstorganisation und Solidarität. Der Unvorhersehbarkeit der Situation können wir auch mit Kreativität begegnen. Die Natur erholt sich ein Stück, Menschen merken wie es sich anfühlt, wenn ihr Alltag durchbrochen wird und sich dadurch neue Perspektiven ergeben. Gerade jetzt ist es wichtig, unsere Wahrnehmung nicht nur auf unsere Ängste zu richten, sondern auch auf die Chancen, die diese außergwöhnliche Situation mit sich bringt. Lasst uns die Krise nutzen, um auf die tieferliegenden Zusammenhänge aufmerksam zu machen und unsere Vorstellungen von einem solidarischen, gerechten und freien Miteinander auf diesem Planeten aktiv einzufordern und umzusetzen.

Wir freuen uns über eure Einschätzungen und Gedanken,
Euer SoliMed Köln

solidaritymedicine@posteo.de
www.solimed-koeln.de


http://poliklinik1.org/sdg
https://solimed-koeln.de/ueber-uns/
https://taz.de/Frauenhaeuser-in-der-Corona-Krise/!5668969/
4 https://www.frnrw.de/top/artikel/f/r/pm-fluechtlinge-vor-corona-schuetzen.html
5 https://www.dw.com/de/wie-die-corona-krise-obdachlose-trifft/a-52862531
https://www.krankenhaus-statt-fabrik.de/129
7 https://www.tagesspiegel.de/politik/mehr-als-eine-milliarde-euro-pro-tag-ausgaben-fuer-gesundheit-erreichen-neuen-rekord/24131204.html
8 https://www.rki.de/DE/Content/Service/Presse/Pressemitteilungen/2019/14_2019.html
https://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/120/1712051.pdf
10 https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Hygiene.html
11 https://www.sueddeutsche.de/politik/china-coronavirus-pandemie-soziale-folgen-isolation-quarantaene-1.4852392?reduced=true
12 https://www.who.int/emergencies/diseases/novel-coronavirus-2019/advice-for-public/myth-busters

Contribution to the debate on the Corona crisis
 
We, the group known as „SoliMed Köln“, would like to comment on the current corona situation. We are individuals who have been dealing with the topic of health for many years. Together, we are concerned with how health and illness are influenced by the (capitalist) conditions in which we live (1). Our aim is to build up a community health centre that understands the so-called social determinants, e.g. income disparities, living and working conditions and experience of discrimination, as essential factors influencing the development of health and illness and which wants to change these conditions (2). At present, we do not yet offer medical care. We do not have a master plan for the current situation. Our considerations do not claim to analyze the situation in an all-encompassing way. Just like for everyone else, this situation is new for us. For this very reason, we find it important to reflect on what has happened and to exchange views from an anti-authoritarian perspective. 
 
Corona does not affect all people equally
 
People with pre-existing conditions are more at risk of an infection with the coronavirus. According to current figures, the probability that the disease will progress severely is much higher. However, pre-existing conditions are not equally distributed in society. On average, socioeconomically disadvantaged people are sicker than wealthy people. The conditions in which people live have a great influence on their state of health. Poorer people are therefore more affected by the health consequences of the virus than wealthy people. The differences in access to medical care add to this.
 
In addition to the health consequences, restrictions in work and everyday life also affect the vulnerable members of society more severely: people from precarious employment relationships who do not receive continued pay in the event of illness or a lock-down are in many cases very quickly in financially threatening situations. This affects artists, mini-jobbers, sex workers, migrant workers and freelancers, among others. Many „Tafeln“(food distributions for socioeconomically disadvantaged people in Germany) close their doors, so that a food supply for people who are dependent on it is suddenly missing. Counselling centres close and homeless people have neither access to safe rooms nor to money. In China and Italy it has already been shown that in a state of emergency domestic and sexualised violence (especially against women and children) increases significantly (3). While community centres are closed and larger gatherings of people are prevented, refugees live in increasingly overcrowded mass accommodation, where they are still threatened with rejected asylum applications despite closed counselling centres and unavailable lawyers (4).
 
In Germany as well as worldwide, the virus thus hits the socioeconomically disadvantaged people in our population much harder than the wealthy (5), both in its health and in its economic and social consequences.
 
The crisis does not fall from the sky
 
Since the 1980s, the health care system in Germany has been increasingly economicised and privatised (6) . The billions from the contributions of contract workers are used to a considerable extent for the profits of the pharmaceutical industry and private hospital groups. Despite comparatively high amounts of contributions of around €1 billion per day (7), the quality of the medical services provided is no better than in systems in countries with lower health care expenditure. Even before the corona pandemic, the healthcare system was in a state of crisis. 
Instead of medical necessities, economic considerations determine treatments and working conditions: Every year, 10,000-20,000 people die from preventable hospital infections (8) , a difficult-to-put figure of back, knee and hip operations are performed not least for profit, nursing staff are neither decently paid nor appreciated in their work, and in the sector of resident doctors a culture of private additional income is increasingly flourishing, also with only moderate quality and humanity. 
 
As early as 2012, the German government has commissioned a risk analysis to simulate the outbreak of a „SARS“ pathogen as part of a pandemic here in Germany. (9) The similarities to the current situation are almost clairvoyant. The clear prognosis of the risk analysis was that the health care system would collapse under the demands. However, instead of creating a health care system that is as well prepared as possible for a pandemic, the health care system has been increasingly geared towards business management criteria and pure economic efficiency. We are feeling it now more than ever. Measures such as curfews, plant closures, daycare and school closures are only necessary because there is a justified concern that health care will collapse.
 
Dealing with this exceptional situation
 
There are concrete things we can do and pay attention to as individuals.

It starts with washing our hands properly. It sounds simplistic and is written everywhere, but it is a simple and effective measure.(10) We need clean hands and it is helpful if we know how to wash them properly. At the same time, the whole „washing hands and disinfecting“ sermon often fails to mention that clean does not equal sterile. We need clean hands, not sterile ones. The outside is not our enemy: neither the people in the house next door, nor on the other side of a border, nor most of the microorganisms around us. The idea that we have to clean everything and isolate ourselves to protect ourselves (whether from people or microorganisms) causes fear in many people. Fear, in turn, sets in motion stress cascades in our nervous system, which reduce our ability to cooperate, cause internal tension and weaken our immune system.
 
Make well-considered decisions about who you meet and who you do not meet. Just because this demand comes from the government does not make it wrong. Protecting risk groups is important. At the same time, the effects of loneliness and isolation should not be underestimated. Initial studies in China show how dramatic the psychosocial consequences of mass quarantine are(11) People develop anxiety, depression, suicidal thoughts and post-traumatic stress disorders. In every situation we now have to reassess what behavior we consider to be right and at the same time endure if we do not all come to the same decisions. Power structures must remain open to discussion and criticism without the moral reproach of not wanting to protect risk groups. The current exceptional situation is as complex as life always is and it is worth trying to at least acknowledge the various aspects and contradictions and make them as debatable as possible.
 
Information about how the virus is spreading, what political measures are being taken, how friends and allies are dealing with the situation is important. But it is also important to consider where the information comes from and whether it is helpful to spread it(12). Even in left-wing circles there are astonishingly many false reports and rumours circulating, some of which have serious consequences for people. The constant flood of information puts our brain on permanent alert and thus puts a strain on our psyche and immune system. Again and again we have to ask ourselves the question, which and how much information is really good for us at the moment; even if the feeling of supposed control by knowledge has a great attraction.
 
And that’s it?
 
Individual answers and changes in behavior are important. But they cannot and must not be the only reaction. It is important to keep in mind that this is not a personal and apolitical crisis. It is about social and economic issues and discussions that already existed before, but which are now becoming more prominent. Dealing with these issues must be political in nature and must be thought of globally:
 
How would this crisis run if there was an unconditional basic income? What does it mean if borders are closed and only Germans are flown back from abroad, while others are getting killed at the EU’s external borders or are locked up in camps? Why are people in prisons and deportation camps further isolated instead of being evacuated? How can a health system look like that is oriented towards the common good instead of economic profit? Is it case-based lump sums that make a hospital a good place for health or is it rather good pay, appropriate working hours and appreciation of the employees? What factors need to be taken into account if we are really concerned with health and not just with restoring people to go back to work?
 
The extent to which it is right to restrict freedom of movement will ultimately only become clear in hindsight. Also whether those restrictions will be taken back in their entirety or whether they will be permanently accepted by the population in a weakened form. For this very reason, it remains important to keep a very close eye on the political decisions that are taken. We must be careful that authoritarian fantasies are not waved through without protest. We must be careful that in a sudden sense of „we“, an anti-authoritarian perspective and cross-border solidarity are not killed off with the last disinfectant.
 
Today it is more important than ever to take responsibility. It is not enough to stay at home and practice „social distancing“. We have to organize ourselves, and not only in our peer groups. We have to find out how organization, social protests and interventions can look like, with no or limited possibilities to see each other. The serious social grievances do not suddenly stop because of Corona. But also discuss among yourselves what the situation is causing in you. Give space to fear, worry, powerlessness and anger and do not cover them up with actionism, withdrawal or cynicism.
 
The feeling of solidarity can now be felt in many places, but we must be very careful that we are all part of the emerging communities. Individuals must not be excluded because of another passport, lack of rent or illness. Let us share missing money, experienced injustice and all our emotions. Only then can something new emerge from this.
 
This exceptional situation, in addition to all the suffering and insecurity, also creates a large space for change, self-organisation and solidarity. We can also counter the unpredictability of the situation with creativity. Nature recovers a bit, people notice how it feels when their everyday life is disturbed and new perspectives arise. Especially now it is important to focus our perception not only on our fears, but also on the opportunities that this extraordinary situation brings with it. Let us use the crisis to draw attention to the deeper connections and to actively demand and implement our ideas of a solidary, just and free coexistence on this planet.
 
We are happy about your assessments and thoughts,
Your SoliMed Cologne 

solidaritymedicine@posteo.de
www.solimed-koeln.de

http://poliklinik1.org/sdg
https://solimed-koeln.de/ueber-uns/
https://taz.de/Frauenhaeuser-in-der-Corona-Krise/!5668969/
4 https://www.frnrw.de/top/artikel/f/r/pm-fluechtlinge-vor-corona-schuetzen.html
5 https://www.dw.com/de/wie-die-corona-krise-obdachlose-trifft/a-52862531
https://www.krankenhaus-statt-fabrik.de/129
7 https://www.tagesspiegel.de/politik/mehr-als-eine-milliarde-euro-pro-tag-ausgaben-fuer-gesundheit-erreichen-neuen-rekord/24131204.html
8 https://www.rki.de/DE/Content/Service/Presse/Pressemitteilungen/2019/14_2019.html
https://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/120/1712051.pdf
10 https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Hygiene.html
11 https://www.sueddeutsche.de/politik/china-coronavirus-pandemie-soziale-folgen-isolation-quarantaene-1.4852392?reduced=true
12 https://www.who.int/emergencies/diseases/novel-coronavirus-2019/advice-for-public/myth-busters

المساهمة في نقاش أزمة كورونا

نود التعبير عن رأينا حول الوضع الحالي لأزمة كورونا. „SoliMed Köln“ بصفتنا مجموعة
نحن أشخاص نهتم بموضوع الصحة منذ سنوات. معاٌ، نحن ندرس كيف تتأثر الصحة والمرض بالظروف (الرأسمالية) التي نعيش فيها (1). هدفنا هو بناء مركز صحي في المنطقة لفهم ما يسمى المحددات الاجتماعية، على سبيل المثال التفاوت في الدخل وظروف المعيشة والعمل وتجربة التمييز العنصري، كعوامل أساسية لنشأة الصحة والمرض، ونحن نهدف أيضاٌ إلى تغيير الظروف بطريقة ملموسة (2). في الوقت الحاضر، لا نقدم رعاية طبية حتى الآن. كما أنه ليس لدينا خطة رئيسية للوضع الحالي وأفكارنا لا تدعي تحليل الوضع بطريقة شاملة. كما هو الحال لجميع الأشخاص، هذا الوضع جديد بالنسبة لنا. لهذا السبب بالذات، نجد أنه من المهم التفكير في الأحداث وتبادل وجهات النظر من منظور منتقد للنظام.

كورونا لا تصيب جميع الأشخاص على قدم المساواة

الأشخاص الذين يعانون من حالات موجودة مسبقاٌ أكثر عرضة لخطر الأصابة بفيروس كورونا. احتمالية أن يأخذ المرض عندهم مساراٌ صعباٌ، هو -وفقاٌ للأرقام الحالية- أكبر بكثير. ومع ذلك، فإن حالات المرض الموجودة مسبقاٌ ليست موزعة بالتساوي في المجتمع. في المتوسط، الفقراء هم مرضى أكثر من الأغنياء. الظروف التي يعيش فيها الناس لها تأثير كبير على حالتهم الصحية. وبالتالي فإن الفقراء أكثر تأثراٌ بالنتائج الصحية للفيروس من الأغنياء. وتضاف إلى ذلك الاختلافات في الحصول على الرعاية الطبية.
بالإضافة إلى العواقب الصحية، تؤثر القيود المفروضة على العمل والحياة اليومية أيضاٌ على أفراد المجتمع الضعفاء بشكل أكثر حدة: فالأشخاص، أصحاب علاقات العمل غير المستقرة، الذين لا يتلقون رواتب مستمرة في حالة المرض او الأغلاق يعانون بسرعة كبيرة من حالات التهديد المالي في كثير من الأحيان. وهذا يؤثر على الفنانين، العاملين في الأعمال الصغيرة، العاملين في مجال الجنس والعمال المهاجرين وأصحاب المهن الحرة وغيرهم. العديد من محلات التافل تغلق أبوابها، ونتيجة لذلك يفقد الأشخاص الذين يعتمدون عليها فجأة الإمدادات الغذائية. مراكز الاستشارة تغلق والأشخاص المشردين ليس لديهم إمكانية الوصول إلى أماكن آمنة ولا إلى المال. وقد ثبت بالفعل في الصين وإيطاليا أن العنف المنزلي والجنسي يزداد بشكل ملحوظ في حالة الطوارئ (خاصة ضد النساء الأطفال). (3) في حين يتم إغلاق المرافق الاجتماعية العامة ومنع تجمعات كبيرة من الناس، يعيش اللاجئون في مساكن جماعية مزدحمة بشكل متزايد، حيث لا يزالون مهددين بطلبات اللجوء المرفوضة على الرغم من مراكز الاستشارة المغلقة والمحامين غير المتاحين. (4)
في ألمانيا وكذلك في جميع أنحاء العالم، يؤثر الفيروس بالتالي في نتائجه الصحية والاقتصادية والاجتماعية على الناس الفقراء والضعفاء أكثر من الأغنياء. (5)

الأزمة لا تسقط من السماء

منذ الثمانينيات، أصبح نظام الرعاية الصحية في ألمانيا اقتصادياٌ وخاصاٌ بشكل متزايد. (6) تستخدم المليارات من مساهمات الموظفين الذين يتقاضون أجراٌ إلى حد كبير في أرباح مجموعات الأدوية والمستشفيات الخاصة. على الرغم من المبالغ المرتفعة نسبياٌ التي تبلغ حوالي مليار يورو يومياٌ (7)، إلا أن جودة الخدمات الطبية التي تم تحقيقها بهذه الطريقة ليست أفضل من الأنظمة في البلدان ذات الإنفاق الصحي المنخفض. حتى قبل وباء كورونا، كان نظام الرعاية الصحية في حالة أزمة. بدلاٌ من الضرورات الصحية، تقرر الاعتبارات الاقتصادية بشأن العلاجات وظروف العمل: في كل عام، يموت ما بين 10000 و20000 شخص من عدوى المستشفيات التي يمكن الوقاية منها (8)، ويصعب تحديد عدد عمليات الظهر، الركبة والورك التي لا يتم القيام بها لأسباب ربحية، العاملين في التمريض لا يتم دفع أجور جيدة لهم ولا يتم تقديرهم في عملهم، وفي قطاع العيادات الخارجية تزدهر ثقافة الدخل الإضافي الخاص بشكل متزايد، وكذلك بجودة معتدلة وأكثر أنسانية.
في عام 2012, طلبت الحكومة الألمانية إجراء تحليل للمخاطر في حالة تفشي مرض „سارس“ كجزء من مرض وبائي هنا في ألمانيا. (9) إن أوجه التشابه مع الوضع الحالي تكاد تكون مستبصره. كان التنبؤ الواضح لتحليل المخاطر هو أن النظام الصحي سينهار تحت المطالب. ومع ذلك، فبدلاٌ من إنشاء نظام رعاية صحية معد بشكل جيد قدر الإمكان للوباء، كان نظام الرعاية الصحية موجهاٌ بشكل مستمر نحو معايير إدارة الأعمال والكفاءة الاقتصادية البحتة. نشعر بهذا الآن أكثر من أي وقت مضى. إن اتخاذ تدابير مثل حظر التجول، إغلاق الشركات وإغلاق رياض الأطفال والمدارس تصبح ضرورية فقط لأن هناك مخاوف مشروعة من انهيار الرعاية الصحية.

التعامل مع الوضع الاستثنائي

هناك أشياء ملموسة يمكننا القيام بها والانتباه لها كأفراد.
هذه الأشياء تبدأ بغسل أيدينا بشكل صحيح. هذا يبدو مبتذلاٌ ومكتوباٌ في كل مكان، ولكنه إجراء بسيط وفعال. (10) نحن نحتاج إلى أيدي نظيفة ومن المفيد ان نعرف كيفية غسلها بشكل صحيح. في الوقت نفسه، غالباٌ ما تفشل خطبة „غسل اليدين والتطهير“ بالكامل في ذكر أن التنظيف ليس بالضرورة معقماٌ. نحن بحاجة إلى أيدي نظيفة وليست معقمة. الخارج ليس عدونا: لا الناس في المنزل المجاور، ولا على الجانب الآخر من الحدود، ولا معظم الكائنات الحية الدقيقة من حولنا. فكرة أن علينا تنظيف كل شيء وعزل أنفسنا لحماية أنفسنا (سواء من الناس أو الكائنات الحية الدقيقة) تسبب الخوف لدى الكثير من الناس. الخوف بدوره يحرك شلالات التوتر في نظامنا العصبي، مما يقلل من قدرتنا على التعاون، ويسبب التوتر الداخلي ويضعف جهاز المناعة لدينا.
اتخذ قرارات مدروسة حول من تلتقي به ومن لا تلتقي به. فقط لأن هذا الطلب يأتي من الدولة ذلك لا يجعله خاطئاٌ. حماية المجموعات المعرضة للخطر امر مهم. في الوقت نفسه، لا ينبغي التقليل من آثار الوحدة والعزلة. تظهر الدراسات الأولية في الصين مدى تأثير العواقب النفسية والاجتماعية للحجر الصحي على الأشخاص. (11) يعاني الناس من حالات القلق، الاكتئاب، أفكار انتحارية واضطرابات ما بعد الصدمة. علينا الآن إعادة تقييم كل حالة، ما هو السلوك الذي نعتبره صحيحاٌ وفي نفس الوقت نستطيع تحمله. إذا لم نتخذ جميعاٌ نفس القرارات، يجب ان تظل هياكل السلطة مفتوحة للمناقشة والنقد دون اللوم الأخلاقي بعدم الرغبة في حماية الفئات المعرضة للخطر. الوضع الاستثنائي الحالي متعدد الجوانب مثلما هي الحياة دائماٌ، ومن الجدير المحاولة على الأقل الاعتراف بالجوانب المختلفة والتناقضات وجعلها قابلة للنقاش قدر الإمكان.
المهم هي معلومات حول كيفية انتشار الفيروس، وماهي التدابير السياسية التي يتم اتخاذها، وكيف يتعامل الأصدقاء والحلفاء مع الوضع. ولكن من المهم أيضاٌ النظر في مصدر المعلومات وما إذا كان من المفيد نشرها. (12) حتى في الدوائر اليسارية، هناك العديد من التقارير والشائعات الكاذبة المثيرة للدهشة، وبعضها له عواقب وخيمة على الناس. التدفق المستمر للمعلومات يضع دماغنا في حالة تأهب دائم وبالتالي يضع ضغطاٌ على النفس والجهاز المناعي لدينا. يجب أن نسأل أنفسنا مراراٌ وتكراراٌ السؤال التالي، ما مقدار المعلومات التي تفيدنا حقاٌ في الوقت الحالي؟ حتى لو كان شعور التحكم المفترض من خلال المعرفة يتمتع بجاذبية كبير.

هذا كان كل شيء؟

الإجابات الفردية والتغييرات السلوكية مهمة. لكنهم لا يستطيعون ويجب ألا يكونوا رد الفعل الوحيد. من المهم أن نأخذ في الاعتبار أن هذه ليست أزمة شخصية وغير سياسية. يتعلق الأمر بالمسائل والنزاعات الاجتماعية والاقتصادية التي كانت موجودة من قبل ولكنها أصبحت الآن أكثر بروزاٌ. يجب أن يكون التعامل مع هذه القضايا ذات طبيعة سياسية ويجب التفكير فيها من منظور عالمي:
كيف كانت ستسير هذه الأزمة إذا كان هناك دخل أساسي غير مشروط؟ ما الذي يعنيه أغلاق الحدود، ويتم إعادة الألمان فقط من الخارج، بينما يقتل آخرون على الحدود الخارجية للاتحاد الأوروبي أو يحبسون في المخيمات؟ لماذا يستمر عزل الأشخاص في السجون وسجون الترحيل بدلاٌ من إجلائهم؟ كيف يمكن أن يبدو النظام الصحي المبني على التوجه نحو الصالح العام بدلاٌ من الربح الاقتصادي؟ هل هي الأسعار الثابتة لكل حالة التي تجعل المستشفى مكاناٌ جيداٌ للصحة أم أنها بالأحرى أجر جيد، ساعات عمل مناسبة وتقدير الموظفين؟ ما هي العوامل التي يجب أخذها في الاعتبار إذا كنا نهتم حقاٌ بالصحة وليس فقط التعافي من أجل للعمل؟
ما هو الحد الذي يصح فيه تقييد حقوق الحرية والتنقل سوف يتضح في نهاية المطاف فقط. وكذلك ما إذا كان سيتم إعادتهم بالكامل أو بشكل محدد وإذا ما كان سيتم قبولهم من قبل السكان على أساس دائم. لهذا السبب بالذات، يبقى من المهم أن نراقب عن كثب القرارات السياسية المتخذة. يجب أن نكون حذرين من ألا يتم التلويح بالأوهام الاستبدادية دون احتجاج. يجب أن نكون حذرين انه من خلال شعور „نحن“ المفاجئ، ألا يتم قتل المفهوم الناقد للسلطة والتضامن عبر الحدود مع المطهر الأخير.

اليوم أصبح من المهم أكثر من أي وقت مضى تحمل المسؤولية. لا يكفي البقاء في المنزل وممارسة „الإبعاد الاجتماعي“. يجب أن ننظم أنفسنا، وليس فقط في مجموعات الأقران. علينا أن نكتشف كيف يمكن أن تبدو المنظمة والاحتجاجات والتدخلات الاجتماعية، مع عدم وجود أو إمكانيات محدودة لرؤية بعضنا البعض. إن المظالم الاجتماعية الخطيرة لا تتوقف فجأة بسبب كورونا. ناقشوا فيما بينكم ولكن أيضا ما الذي يسببه الوضع فيكم. امنح مساحة للخوف والقلق والعجز والغضب ولا تغطيهم بالحركة والتراجع أو التهكم.

يمكن الإحساس بشعور التضامن الآن في العديد من الأماكن، ولكن يجب أن نكون حذرين للغاية لأن نكون جميعًا جزء من المجتمعات الناشئة. لا يجب استبعاد الأفراد بسبب جواز سفر آخر أو نقص الإيجار أو المرض. دعونا نتشارك نقص المال، الظلم وجميع مشاعرنا. عندها فقط يمكن أن يظهر شيء جديد من هذا.

هذا الوضع الاستثنائي، بالإضافة إلى كل المعاناة وانعدام الأمن، فأنه يخلق أيضًا مساحة كبيرة للتغيير والتنظيم الذاتي والتضامن. يمكننا أيضًا مواجهة عدم القدرة على التنبؤ بالوضع بالإبداع. الطبيعة تتعافى قليلاً، الناس يلاحظون ما هو الشعور عندما تتكسر حياتهم اليومية وتنشأ وجهات نظر جديدة. خاصة الآن من المهم عدم تركيز إحساسنا وإدراكنا فقط على مخاوفنا، بل أيضًا على الفرص التي يجلبها هذا الوضع الاستثنائي معه. دعونا نستخدم الأزمة لتوجيه الانتباه إلى الروابط الأعمق والمطالبة النشطة وبالإضافة إلى تنفيذ أفكارنا حول تعايش تضامني وعادل وحر على هذا الكوكب

SoliMed Köln نحن سعداء بتقييماتكم وأفكاركم,

solidaritymedicine@posteo.de
www.solimed-koeln.de

http://poliklinik1.org/sdg
https://solimed-koeln.de/ueber-uns/
https://taz.de/Frauenhaeuser-in-der-Corona-Krise/!5668969/
4 https://www.frnrw.de/top/artikel/f/r/pm-fluechtlinge-vor-corona-schuetzen.html
5 https://www.dw.com/de/wie-die-corona-krise-obdachlose-trifft/a-52862531
https://www.krankenhaus-statt-fabrik.de/129
7 https://www.tagesspiegel.de/politik/mehr-als-eine-milliarde-euro-pro-tag-ausgaben-fuer-gesundheit-erreichen-neuen-rekord/24131204.html
8 https://www.rki.de/DE/Content/Service/Presse/Pressemitteilungen/2019/14_2019.html
https://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/120/1712051.pdf
10 https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Hygiene.html
11 https://www.sueddeutsche.de/politik/china-coronavirus-pandemie-soziale-folgen-isolation-quarantaene-1.4852392?reduced=true
12 https://www.who.int/emergencies/diseases/novel-coronavirus-2019/advice-for-public/myth-busters